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Der Ausbau der Windenergie in Waldgegenden stellt möglicherweise ein echtes Problem für Fledermäuse dar - anders als bei den Vögeln. Abgesehen von einigen speziellen Arten, sieht selbst der NABU kein großes Problem im Vogelschlag durch WEA. Man muss bei der Standortwahl also sowohl auf bestimmte Vogelarten, als auch auf Fledermäuse, als auch auf die Nähe menschlicher Siedlungen achten. Das schränkt die die möglichen Standorte ein, weil man selbstverständlich mit Erneuerbaren Energien die Natur nicht bekämpfen, sondern sie schützen will. Bedenklich wird es wenn auch Klimaskeptiker wie Prof. Fritz Vahrenholt - ehemaliger RWE-Vorstand - zu Fledermausschützern werden.

Hamburg Energie
Windenergie-Anlagen im Hamburg Hafen (Foto: Udo Schuldt)

Kürzlich erschien eine Pressemeldung der Deutschen Wildtierstiftung unter dem Titel: "Die Energiewende braucht eine Wende zu Gunsten der Natur!". Das hört sich erst mal gut an. Aber wohin soll sie sich wenden, wieder zurück zu Atomkraftwerken und sollen Kohlekraftwerke nicht durch erneuerbare Energien ersetzt werden? Dass die Wende der Wende tatsächlich in diese Richtung gehen soll könnte man vermuten, da in der genannten Presseerklärung Prof. Fritz Vahrenholt - Honorarprofessor im Fachbereich Chemie - den Ton angibt. Hamburger kennen ihn schon länger.

Einst war er Umweltsenator in einem SPD-Senat, danach vollzog er auch eine persönliche Wende und wechselte 1998 in den Vorstand der Deutschen Shell AG. 2001 wurde er Vorstandvorsitzender der Repower Systems AG, einem Hamburger Hersteller von Windenergieanlagen bis er sich 2008 zum Atom- und Kohlekraftwerksbetreiber RWE wendete. Dort arbeitete er bis 2012 als Vorsitzender des Tochterunternehmens RWE Innogy. Richtig bekannt wurde er als Klimaskeptiker durch die Herausgabe des Buches "Die kalte Sonne" in dem er die Auffassung vertritt, dass die Erwärmung der Atmosphäre trotz steigender CO2-Emissionen die zwei Grad Grenze in diesem Jahrhundert nicht übersteigen wird. Co-Autor war Sebastian Lüning, ein ebenfalls dem RWE-Konzern verbundener Physiker. In der energiepolitischen Diskussion plädierte Vahrenholt für eine Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke und für die Weiterentwicklung und den Bau von Kugelhaufenreaktoren.

Es macht auch skeptisch gegenüber der Deutschen Wildtierstiftung, wenn sie ausgerechnet Chemie-Professor Fritz Vahrenholt zu ihrem Sprachrohr macht und ihn zum Vorsitzenden nimmt und wenn dieser sich als bekennender Klimaskeptiker und Atomkraftbefürworter gegen den Bau von Windenergieanlagen wendet. In der genannten Presseerklärung meldet sich außerdem Enoch Freiherr von und zu Guttenberg als Gründungsmitglied des BUND zu Wort. Er begrüßt die Initiative der Deutschen Wildtierstiftung und die Presseerklärung führt aus: "Baron zu Guttenberg sieht in Windenergieanlagen „Industrieanlagen in deutschen Wäldern“ und fürchtet katastrophale Auswirkungen für das Ökosystem Wald." Nicht erwähnt wird, dass "Baron zu Guttenberg" den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland) im Streit über Windenergieanlagen verlassen hat, denn der BUND fördert den Ausbau der Windenergie.

Bei mir entsteht der Eindruck, dass klimaskeptische Atomkraftbefürworter und Windenergiegegner hier einen neuen Hebel gegen den Ausbau der Rotoren entdeckt haben - den Hebel Fledermausschutz. Dies spricht natürlich nicht gegen die grundsätzliche Forderung nach dem Schutz der Fledermäuse, es erscheint nur unglaubwürdig, wenn dieses Anliegen ausgerechnet von diesen Herren vorgebracht wird. Weder der Naturschutzbund NABU noch der BUND sind gegen den Ausbau der Windenergie, beide Verbände weisen jedoch darauf hin, dass Sorgfalt bei der Standortwahl von WEA stattfinden muss um gefährdete Arten zu schützen. Das ist unumstritten. Außerdem sollte auch darüber nachgedacht werden, welche Möglichkeiten es gibt um Vögel und Fledermäuse von Windenergieanlagen fernzuhalten. In dieser Hinsicht hat ein Projekt in Großbritannien offenbar bemerkenswerte Ergebnisse erzielt, einfach in dem die Rotoren der WEA purpurn angestrichen wurden.

Zum Vergleich die Opferzahlen durch Vogel- und Fledermaus-Schlag in der Übersicht:

Nebenbei bemerkt: Die Verteufelung der Windenergie in Bayern und die Nichtbeachtung der Vogel-Opferzahlen von Hochspannungsleitungen hat außerdem den Effekt, dass man nun hunderte Kilometer Leitungstrassen vom Norden in den Süden plant. Verhinderte Windenergieanlagen in Bayern tragen somit indirekt zu dem zahlenmäßig viel schwerwiegenderen Vogelschlag durch die neuen Nord-Süd-Hochspannungsleitungen bei.

Der Ausbau der Windenergie dient gerade dem Schutz der Natur und der Menschen. Damit soll vor allem dem menschengemachten Treibhauseffekt entgegengewirkt werden, der das gegenwärtig stattfindenden Artensterben ja noch beschleunigt. Hauptursachen des gegenwärtigen Artensterbens sind übrigens Verlust- und Zerschneidung von natürlichen Lebensräumen durch Siedlungen, Industrieanlangen, für die Rohstoffgewinnung, die Landwirtschaft und für Straßen.

Wäre schön, wenn sich die Deutsche Wildtierstiftung auch dagegen wenden würde. Im Newsletter-Archiv der Stiftung findet man zwar was unter der Überschrift "Verliebte Rehe und mehr", aber die harten Themen, wie den Kampf gegen Industrieanlagen oder die Zerstörung des Hambacher Forstes für den Braunkohleabbau habe ich jedenfalls nicht entdeckt.