Pariser Klimaabkommen muss Schäden und Verluste thematisieren

Die letzte Verhandlungsrunde vor dem Klimagipfel im Dezember in Paris hat es versäumt, die Weichen für die Klimakonferenz auf Erfolgskurs zu stellen. Nach Meinung von Brot für die Welt bietet der im Oktober in Bonn erarbeitete Entwurf des Verhandlungstextes für die Konferenz im Dezember wenig Hoffnung, dass das erste globale Klimaabkommen die Interessen der armen Länder angemessen genug berücksichtigt, um ihnen Entwicklungsperspektiven trotz begonnenem Klimawandel zu bieten. Mit der heute vorgelegten Studie „Klimabedingte Schäden und Verluste – Die politischen Herausforderungen annehmen und gerecht lösen“ lenken Brot für die Welt, Germanwatch und ACT Alliance deshalb den Blick auf eine der größten Herausforderung des Klimaabkommens: den Umgang mit Schäden und Verlusten (Loss & Damage) in armen Ländern infolge des Klimawandels. Die drei Organisationen fordern, dass eine klare Agenda für die Betroffenen von Klimaschäden im Abkommen verankert wird, das im Dezember in Paris verabschiedet werden soll. Die neue Studie beschreibt, wie eine solche wirksame Agenda aussehen muss.

Bangladesh climate refugeeKlimaflüchtlinge in Bangladesch (Foto: Public Domain)

„Besonders Vertreter der ärmsten Länder und der kleinen Inselstaaten sind tief geschockt und frustriert über den Verhandlungsprozess in Bonn. Er hat Anlass zur Befürchtung gegeben, dass die großen Staaten im Finale des Klimagipfels in Paris ihre Themen und Interessen durchsetzen und die Anliegen der kleinen und schwachen Staaten dabei völlig übergehen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. „Die Unterstützung der Ärmsten bei der Anpassung an nicht mehr rückgängig zu machende Klimaveränderungen und bei der Bewältigung der permanenten Verluste ist eine Voraussetzung dafür, dass nicht noch weitere Millionen Menschen Regionen verlassen müssen, die unbewohnbar und unfruchtbar geworden sind.“ Wer heute laut über die Dringlichkeit von Fluchtursachenbekämpfung rede, könne nicht zugleich die Ärmsten mit dem Desaster alleine lassen. Darum müsse es sich die Europäische Union zu eigen machen, die Anerkennung der Interessen der ärmsten und verletzlichsten Staaten in Paris durchzusetzen.

Doch bisher hat sich die EU dieser Aufgabe noch nicht angenommen. Besonders enttäuschend verhielt sie sich bei dem Thema wie zukünftig der Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten geregelt wird. Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik, stellt fest: „Durch das passive Verhalten der EU wurde die wichtige Chance vertan, den ärmsten und verletzlichsten Staaten ein Signal der Solidarität zu geben. Gerade für diese Staaten ist es ein zentrales Anliegen, dass der Umgang mit Klimaschäden auch im Pariser Klimaabkommen verankert wird.“ Zu den verletzlichsten Staaten gehören die Inselstaaten, die durch den Anstieg der Meeresspiegel in ihrer Existenz bedroht sind und die Gruppe der ärmsten Länder der Erde (LDC) wie Tschad oder Bangladesch, in denen sich Hunger und Armut durch den Klimawandel massiv verschärfen.

Wie der Umgang mit Klimaschäden politisch gestaltet werden kann und welche Aspekte besondere Berücksichtigung finden müssen, zeigt die gemeinsame Studie von Brot für die Welt, des kirchlichen Netzwerks ACT Alliance und Germanwatch mit dem Titel „Klimabedingte Schäden und Verluste – Die politische Herausforderung annehmen und gerecht lösen“, die heute veröffentlicht wurde.

Zentrale Herausforderung bei steigenden Klimawandelauswirkungen ist es, Leidtragenden solidarische und koordinierte Hilfe zu bieten. Dafür müssen systematische Klimarisikoanalysen und -management gefördert werden. Zudem müssen neue Ansätze wie die G7-Klimaversicherungsinitiative so umgesetzt werden, dass sie die Ärmsten erreichen. Sie müssen die Umsetzung der Menschenrechte, etwa  der Rechte auf Nahrung, Wasser oder Gesundheit, befördern und die Bevölkerung vor Ort mit einbeziehen. Lokal Betroffenen sollte die notwendige Umsiedlung in Würde garantiert werden und Migranten, die ihre Heimat aufgrund des Klimawandels verlassen, brauchen internationalen Schutz. Die Studie bietet u.a. Fallbeispiele aus Bangladesch, El Salvador und von den Fidschi-Inseln.

Der Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten müsse unbedingt im Abkommen von Paris verankert werden. Schäden und Verluste durch Klimaschutz und verbesserte Anpassung zu vermeiden - das müsse Ziel des Abkommens sein, meint Cornelia Füllkrug-Weitzel und weiter: „Dass es dennoch und bereits jetzt zu Schäden kommt, ist ein Fakt, der nicht länger ignoriert werden darf. Die klimabedingten Fluchtursachen kann man nur wirksam bekämpfen, wenn das Pariser Abkommen auch die Interessen der armen Staaten und Bevölkerungsgruppen angemessen berücksichtigt und die Ärmsten unterstützt.

„Paris muss die vom Klimawandel Betroffenen stärken“, sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Deutschland hat gemeinsam mit der EU in den kommenden Wochen die Möglichkeit, sich für die ärmsten und verletzlichsten Staaten einzusetzen.“ Bals weiter: „Die EU als Wertegemeinschaft muss sich dafür einsetzen,  dass niemand in der Klimakrise zurückgelassen wird. Sie muss insbesondere diejenigen unter den Industriestaaten überzeugen, die hier noch blockieren, dass dieses Thema nicht mehr von der Verhandlungsagenda zu schieben ist."

Die Studie wurde von Brot für die Welt, Germanwatch und ACT Alliance erstellt, dem Netzwerk der protestantischen und orthodoxen Kirchen mit 160 Mitgliedern weltweit. Die Studie finden Sie hier hier.

Brot für die Welt

Germanwatch

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