Die Hochwasser-Katastrophe aus der vergangenen Woche, die zu massiven Zerstörungen und viel Leid in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen führte, hat bundesweit zu einer Debatte über schnellere Klimaschutz-Maßnahmen geführt. Im Gespräch ist nicht nur ein vorzeitiger Ausstieg aus der Kohleverstromung, sondern auch die notwendige Steigerung beim Bau neuer Windenergieanlagen.

WEA 2015
Windenergieanlagen in einem Industriegebiet (Symbolbild, Foto: Udo Schuldt)

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) unterstützt die Forderungen, den Klimaschutz zu forcieren. „Dafür ist insbesondere ein deutliches Plus bei der Windstromerzeugung unverzichtbar“, betont der Vorsitzende Reiner Priggen, „dieses Plus bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass wir unglaublich viele neue Windenergieanlagen benötigen.“

Priggen verweist auf die Ergebnisse einer Studie, die der LEE NRW im vergangenen Spätherbst über die energiewirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Generation von Windturbinen veröffentlicht hat. Diese neuen Windenergieanlagen mit 5 bis 7 Megawatt Leistung sind in der Lage, an einem mittleren Binnenlandstandort gut zehnmal so viel Strom zu erzeugen wie ihre Vorgängermodelle zur Jahrtausendwende.

Mit dieser neuen Anlagen-Generation könnten nach LEE NRW-Berechnungen bundesweit rund 700 Mrd. Kilowattstunden Strom im Jahr 2040 erzeugt werden – gemeinsam mit Offshore Wind, Photovoltaik und Co. völlig ausreichend, um 100 % des deutschen Energieverbrauches inklusive Wärme und Verkehr regenerativ zu erzeugen. (Der gesamte deutsche Stromverbrauch liegt aktuell bei ca. 530 Mrd. kWh. Er wird durch verstärkte elektrische Wärmeerzeugung, durch Elektromobilität und durch die Erzeugung von sogenanntem Grünen Wasserstoff für die Industrie steigen. Dennoch sind 100 % Erneuerbare Energie bis 2040 unter Einsatz der heute schon etablierten Technologie machbar.)

Dazu ist es erforderlich, dass alle Bundesländer zwei Prozent ihrer Landesfläche für die Windenergienutzung ausweisen, was erste Bundesländer wie Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein (und demnächst auch Niedersachsen) bereits beschlossen haben.

„Wir bräuchten dann in ganz Deutschland für Windenergieanlagen nur 35.000 Standorte, das sind lediglich 20 Prozent mehr als heute“, verweist Priggen auf die Vorteile der modernen Windkrafttechnologie. Niemand müsse daher Befürchtungen um eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes oder vor Flächenfraß haben.

Es liegt, so der LEE NRW-Vorsitzende, an der Politik, die Chancen der neuen Generation von Windenergie- anlagen zu nutzen: „Alle Bundesländer sind gefordert, schnell mehr Flächen auszuweisen und die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.“ Es reiche nicht aus, allein „mehr Tempo“ für den Klimaschutz anzukündigen. Priggen: „Es ist nicht länger hinnehmbar, dass zwischen der Planung und der Inbetriebnahme eines Windparks mitunter zehn Jahre Zeit verstreichen!“

Hintergrundpapier größere Windenergieanlagen

 

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW - LEE NRW

Als Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Nordrhein-Westfalen bündelt der LEE NRW die Interessen aus allen Bereichen der Energiewende. Zum Verband zählen mittelständische Unternehmen, Verbände und Bürger. Das gemeinsame Ziel: 100 % Erneuerbare Energien bis 2050 – in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Dafür engagieren sich auch fünf LEE-Regionalverbände als kompetente Ansprechpartner vor Ort. Denn im Energieland Nr. 1 ist die Branche wichtiger Arbeitgeber für 46.000 Beschäftigte, die 2017 ein Umsatzvolumen von 10 Mrd. Euro erwirtschafteten.

Landesverband Erneuerbare Energien NRW - LEE NRW