Im deutschsprachigen Raum ist die Liebe zum Automobil weiter ungebrochen. Zwar gibt es auch die Gegenbewegung derjenigen die sich aus der Abhängigkeit vom KFZ befreien, aber der Trend der Autofahrer geht weiter zu spritfressenden SUV oder Luxuskarossen.



Alternativen sind möglich (Foto oben: Kunstee; Foto unten: Udo Schuldt)

Am 19. Juli veröffentlichte das Schweizer Bundesamt für Umwelt die neue CO2-Statistik des Landes. Danach lagen die CO2-Emissionen des Verkehrs immer noch 11,7% über den Emissionen des Jahres 1990, gemäß den Vorschriften des CO2-Gesetzes hätten sie jedoch bis heute um 8 Prozent zurückgehen sollen.

In Österreich nahm die Zahl der Neuzulassungen der spritfressenden SUV um ein Drittel zu, meldete oekonews.at. Auch bei Oberklasse-Autos gäbe es einen Zuwachs um 2,5%.

Für Deutschland kam die Aral Studie "Trends beim Autokauf 2011" zum Ergebnis, dass SUVs und Luxusautos außergewöhnliche Steigerungsraten aufweisen, obwohl sie höhere Sprit-Verbräuche haben. SUVs stehen aus vielerlei Gründen in der - besonders von Umweltverbänden - vorgetragenen öffentlichen Kritik. Diese ist vor allem gegen den deutlich höheren Kraftstoffverbrauch gerichtet, als bei Klein- oder Mittelklassefahrzeugen. Die Hauptursachen für den höheren Verbrauch sind die größere Querschnittsfläche, der damit einhergehende höhere cw-Wert und der dadurch höhere Luftwiderstand. Außerdem ist der in fast allen SUVs eingebaute Allradantrieb, welcher die Fahrzeuge um über 100 kg schwerer macht, sowie zu mehr Reibung im Antriebsstrang führt und zu einem verschlechterten Gesamtwirkungsgrad beiträgt, eine weitere Ursache des höheren Spritverbrauchs. 1)

Interessant an der Aral-Studie ist auch, dass die Nachfrage nach umweltfreundlichen, verbrauchsarmen und wenig CO2 emittierenden Fahrzeugen rückläufig ist. Außerdem gibt es für E-Autos nur eine ganz geringe Akzeptanz. Zwar sind einige Käufergruppen bereit mehr für umweltfreundliche Autos zu zahlen, aber die Realität der Absatzsteigerung von Spritfressern zeigt, dass der Trend gegenläufig ist.

Nicht weiter verwunderlich ist deshalb, dass deutsche Autohersteller versuchen, mit ihrer Lobbyarbeit in Brüssel, bei der EU-Kommission, die aktuelle Verschärfung der CO2-Abgasgrenzwerte aufzuweichen. Nach dem Kommissionsvorschlag sollten die KFZ-Hersteller,  je nach Größe und Schwere ihrer Autos, bis 2020 zwischen 25 und 29 Prozent CO2 einsparen. Nach massiven Interventionen wurde die Einführung dieser neuen, ohnehin nicht besonders ambitionierten Richtlinie, nun verschoben.

Parallel zur Zunahme umweltschädlicher Modelle zeigt aber eine von BMW in Auftrag gegebene Studie, dass sich junge Leute immer stärker vom Autoverkehr abwenden. Für sie ist das Auto kein Statussymbol mehr. Mobilität bedeutet für viele junge Menschen vor allem umweltfreundliche Mobilität und Spaß an der Eigenbewegung auf dem Fahrrad, anstatt erzwungener Bewegungslosigkeit im Auto. Motive hierfür kann man auch im neu erwachten Gesundheitsbewusstsein sehen und der damit verbundenen Erkenntnis, dass zu viel Beqemlichkeit dem Körper schadet.

Die gesellschaftliche Spaltung zwischen umweltfreundlicher Mobilität ohne Auto und rücksichtslosem Automobilismus nimmt also zu, zumal die Zahl der Autofahrer die umweltfreundliche Autos kaufen und sich überhaupt über Umweltfragen Gedanken machen abnimmt. Da vorwiegend junge Leute aus der mentalen und physischen Abhängigkeit vom Auto aussteigen, besteht immerhin berechtigte Hoffnung, dass wir mittelfristig mit abnehmenden Neuzulassungen in ganz Europa rechnen können, weil diese Trends dort vermutlich ähnlich sind, wie in Deutschland.

In Bezug auf den Klimawandel ist das Warten auf das Aussterben der Hardcore-Automobilisten aber keine Perspektive, da JETZT gehandelt werden muss. Aus diesem Grund hat die Deutsche Umwelthilfe auch vorgeschlagen, umweltfreundliche Autos steuerlich zu begünstigen und Spritfresser stärker zu besteuern. Angesichts der beschriebenen Trends gibt es zu diesem Vorschlag keine Alternative, weil es nicht sein kann, dass eine Minderheit von Hardcore-Autofahrern die klimatologischen Risiken der Mehrheit, durch ihre enorme CO2-Produktion, vergrößert. Der Vorschlag der DUH verdient daher jede mögliche politische Unterstützung,  denn sollte er umgesetzt werden,  würde das auch die Geldbeutel der Autofahrer entlasten, wenn sie an die Tankstelle fahren. Naja und natürlich die CO2-Emissionen reduzieren, was das wichtigste wäre.

1) Wikipedia