Die Begriffe Recycling und Upcycling liegen in aller Munde. Diese und ähnliche Methoden begründen einen neuen Trend zur Wiederverwertung bereits vorhandener Ressourcen und Produkte. Das Prinzip beruht darauf, die Ressourcen nicht mehr der Natur zu entnehmen, sondern Dinge nochmals zu verwenden, die ohnedies bereits in Gebrauch sind. Dadurch werden die ohnehin schon sehr knappen Ressourcen geschont.


Recycling-Anlage (Foto: Gemeinfrei)

Das Potential dieses Prinzips ist groß, es ist denkbar einfach und hilft sogar Kosten zu sparen. Denn soweit dies möglich ist, werden neue Kreisläufe geschaffen, welche die Umwelt schonen und die Vernichtung wertvoller Ressourcen verhindern. Auf Basis dieses Prinzips wäre es nicht einmal notwendig, dass der Verbraucher dann einen strengen Sparkurs in seinem Konsum aufgezwungen bekommt. Ganz im Gegenteil ergäben sich sogar Optionen, die erlauben, dass Verbraucher konsumieren, ohne Schäden in weiten Dimensionen anzurichten. Wichtig für diesen Prozess ist ein vollkommen neues System, welches die Rohstoffe, die zur Verfügung stehen, richtig sortiert und dadurch für eine erneute Verwertung wiederaufbereitet.

Für solch ein Recycling gibt es bereits viele kluge Konzepte, die es beispielsweise erlauben, dass aus einfachem Zeitungspapier neue Schuhe oder aus gebrauchten Gegenständen neue Möbel entstehen. Würde man das zur Verfügung stehende Zeitungspapier für die Produktion von Schuhen verwenden, würde das neue Konzept erlauben, dass über einen langen Zeitraum eine weltweite Schuhproduktion möglich wäre. Auch Möbelstücke, die erneut aufbereitet und repariert würden, lassen neue Trends entstehen. Ein positiver Nebeneffekt ist ein modischer Trend, der sich wirklich sehen lassen kann und in der Modewelt eine hübsche Wirkung zeigt.

Ein weiteres Konzept, welches sich der klugen und sparsamen Verwertung von Ressourcen und der Vermeidung der Verschwendung von Ressourcen bedient, heißt „Cradle to Cradle“. Dieses gibt es seit einigen Jahren und es wurde bereits im Detail verfeinert. Es stammt von Prof. Dr. Michael Braungart, der mit seinem Konzept „Cradle to Cradle“ in der Wirtschaft bereits zahlreiche Kontakte knüpfen konnte und dadurch viele Unternehmen zu einem Umdenken in ihrem Handeln bewegte. Der Chemiker hält über sein Verwertungskonzept weltweit Vorträge und gibt Seminare. Wichtig für Prof. Dr. Braungart ist die genaue Analyse der Wiederverwertbarkeit aller Rohstoffe und dass viele neue Produkte erfunden werden, die sich immer wieder aus denselben Materialien herstellen lassen. Im Zentrum des Interesses stehen hierfür beispielsweise Recycling-Kreisläufe innerhalb von Unternehmen. In der Realität sieht es häufig noch anders aus, da der Müll hierzulande lediglich verbrannt wird und nur an den wenigsten Stellen wiederverwertet wird. Die Kosten der Wiederverwertung, nach dem alten Konzept, scheinen noch zu hoch zu sein. Allerdings sagt Braungart deutlich, dass der Konsum in der Welt auf die bisherige Art und Weise nicht mehr weitergeführt werden darf. Denn die Erde verkraftet den Güterverbrauch der sieben Milliarden Menschen nicht mehr lange, ohne dass die Welt in einer Katastrophe endet.

Das Prinzip „Cradle to Cradle“ besagt, dass es nicht zu viele Menschen gibt, die Müll erzeugen, sondern dass die Menschen auf die falsche Art und Weise mit ihrem Müll umgehen. Dadurch werden Gewässer belastet und Luft und Böden vergiftet. Will der Mensch noch länger ein lebenswertes Leben auf der Erde führen, so muss er sein Verhalten schnellstmöglich ändern und seinen Umgang mit Ressourcen umstellen. Zwar werden viele Rohstoffe schon erneut verwertet, aber viele auch einfach vernichtet. Auf diese Art und Weise darf nicht weiter gehandelt werden. Denn es ist realisierbar, dass beispielsweise für ein fertiges Produkt vollständig in seine Kleinteile zerlegt wird und diese erneut verwendet werden. Teils ist es möglich, dass gleiche Teile für dasselbe Produkt nochmal verwendet werden, teils lassen sich die Grundstoffe sammeln und für neue Produkte einsetzen. Durch dieses Verfahren würden viele Tonnen Müll sofort entfallen. Heutzutage ist es schon so, dass mit Müll ein reger Handel betrieben wird, der über die Landesgrenzen und über viele Kontinente hinweg geht.


Recycling eines Küchenschrankes (Foto: Posh Living, LLC)

„Cradle to Cradle“ würde dazu motivieren, dass die endlosen Weiten der Mülldeponien erneut ins Auge gefasst werden und die Schätze, die dort lagern, für eine Verwertung in Betracht kommen. Dies wäre insofern möglich, da der Müll nach einiger Zeit und mehrerer Schichten, die hinzu kommen, luftdicht konserviert wird und dort kaum ein Prozess der Verrottung in Gang kommt. Viele Rohstoffe werden dort bewahrt. Nicht selten ist es sogar der Fall, dass sich sehr alte Zeitungen aus den Müllbergen entnehmen lassen, die nach einer langen Zeit immer noch gut lesbar sind und sich in ihrer Lagerzeit auf der Müllkippe nicht verändert haben.

Ein weiterer Aspekt von „Cradle to Cradle“, der ausgesprochen wichtig ist, ist der Fokus auf eine möglichst ungiftige Produktion. Es ist ohne große Probleme möglich Produkte so zu konzipieren, dass sie giftige chemische Bestandteile nicht mehr ausdünsten. Giftige Stoffe im Kunststoff, in elektronischen Geräten oder in Verpackungen sorgen oft dafür, dass der Körper erkrankt und dass Menschen beispielsweise unfruchtbar werden oder Krebs bekommen. Dies liegt beispielsweise an giftigen Weichmachern im Plastik oder an einer Vielfalt anderer chemischer Stoffe, die in alltäglichen Produkten enthalten sind.

Das Konzept der Wiederverwertbarkeit gilt aber nicht nur für Haushaltsgeräte oder die chemische Großindustrie, sondern beispielsweise auch für die Bekleidungsindustrie. Auch hier ist es möglich der Umwelt einen großen Dienst zu erweisen. Denn es gibt seit langem Textilien, die nicht nur aus biologischer Produktion stammen, sondern nach vielen Jahren in der Lage sind zu verrotten. Sie würden die Produktion und Entsorgung von Textilien revolutionieren. Die Gesundheit würde auch profitieren, da die Verarbeitung keine Verwendung giftiger Substanzen mehr verlangt, damit die Stoffe widerstandsfähig werden oder um die gewünschten Farben zu erhalten, die möglichst leuchtend und bunt wirken sollen. Beispielsweise ist die Farbe Schwarz besonders giftig, optische Aufheller sorgen für Unfruchtbarkeit oder synthetische Bestandteile beinhalten schädigende Schadstoffe.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit steht heute für gut durchdachtes ökologisches Handeln, das bereits in vielen Bereichen Anwendung findet, aber immer noch nicht weit genug verbreitet ist. Es gibt eine Vielfalt von alltäglichen Bereichen, in denen ein verantwortungsvolles Handeln immer wichtiger wird. Architektur, Innenraumausstattung, Möbelindustrie, Lebensmittel, Automobilindustrie oder auch verarbeitende chemische Industrie sind nur einige alltägliche Bereiche, in denen ein gesundheitsbewusster Alltag gestaltet werden kann. Heute verbreiten alltägliche Gegenstände in ihrer Verwendung jeden Tag giftige Chemikalien in der Luft und auf der Haut, so dass Mensch und Natur davon geschädigt werden. Würde man „Cradle to Cradle“ als lückenloses Konzept anwenden, würde dies für Mensch und Natur eine große Veränderung bedeuten. Denn alltägliche Produkte schädigen bereits die Umwelt und damit auch das Klima.

Schädigende Chemikalien, die in die ökologischen Kreisläufe gelangen, richten dort einen immensen Schaden an. Die Stoffe gelangen in Luft und wirken auf ungeahnte Art und Weise in den höheren Luftschichten, so, dass kein Experte jemals sagen könnte wie sie Einfluss nehmen. Ein konkretes Beispiel sind auch die Meere und Gewässer. Die Substanzen gelangen ebenso in die Gewässer und sorgen beispielsweise dafür, dass die Mikroorganismen, wie Plankton, nicht mehr die wichtige Funktion der Filterung der Luft vornehmen können. Ein starkes Algenwachstum hingegen, das ein Indikator für ein verschmutztes Gewässer ist, führt zu einer weiteren Schädigung des lokalen biologischen Gleichgewichts und nimmt ebenso Einfluss auf den sensiblen klimatischen Kreislauf. Da alle Systeme in gewisser Weise in sich greifen, ist bereits die Schädigung eines einzelnen Teils eine weitreichende Problematik. Moderne Konzepte, wie jenes von Prof. Dr. Braungart, verändern die Welt hinreichend und sorgen für einen Konsum, der einen geringeren Schaden, mit weniger weitreichenden und langfristigen Konsequenzen, nach sich zieht.

Für die weitere Entwicklung der Menschheit ist es wichtig, dass neue Konzepte gefunden und auch übernommen werden. Nur dann wird der Teufelskreis, den der Mensch begonnen hat, auf lange Sicht unterbrochen. Der Treibhauseffekt hat bereits deutliche Spuren hinterlassen, weswegen es für den Menschen wichtig wäre, ihn zu stoppen und so gut als möglich entgegenzuwirken.