Der Deutsche Wetterdienst und der Deutsche Bauernverband veröffentlichten heute eine gemeinsame Pressererklärung, zu den langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft. Leider sind die Aussagen des DWD und des DBV Vertreters nicht weitsichtig genug.

Anstieg der Bodentemperaturen von 1962 bis heute
(Grafik: DWD)

Neue Auswertungen des Wetterdienstes zeigen nämlich, dass in Deutschland die Bodentemperatur, am Ende des Monats April, um durchschnittlich 5 Grad gegenüber 1962 zugenommen hat. „Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend bis 2100 fortsetzt“, so Paul Becker, Vizepräsident des Wetterdienstes. Der Vegetationsbeginn verschiedener Pflanzen findet darum etwa 7 Tage früher statt als vor 50 Jahren. 2100 könnte er sogar drei Wochen früher beginnen, wie in den sechziger Jahren.

Während im Mittel steigende Temperaturen der Landwirtschaft nutzten, sähe das beim Niederschlag nicht so günstig aus, berichtet Becker. Die Landwirte würden lernen müssen, zunehmend ungleicher verteilte Niederschläge im Sommerhalbjahr und mögliche Wasserknappheit durch noch effizientere Bewässerungsverfahren auszugleichen. Das erfordere aber hohe Investitionen in Bewässerungssysteme und eine optimierte Beregnungssteuerung. Die erwartete Zunahme der Niederschläge im Herbst und Winter führe zudem dazu, dass dann zu nasse Böden maschinell nicht wirkungsvoll bearbeitet werden können - ein Problem für eine auf Maschineneinsatz angewiesene Landwirtschaft. Es komme deshalb darauf an, Drainagesysteme zu erhalten oder neu zu bauen.

Bauernverband-Vizepräsident Werner Schwarz teilt die Einschätzung, dass mehr Wärme bei einer guten Wasserversorgung generell zu höheren Erträgen führen könnte. Er machte zugleich deutlich, dass die Erfahrungen der letzten Jahre aber auch gezeigt hätten, wie problematisch der Klimawandel sein kann. Dazu gehörten längere Trockenzeiten im Frühjahr und Frühsommer, obwohl die Getreidepflanzen gerade in dieser Zeit Bodenfeuchte benötigen. Hinzu kämen Extremsituationen wie Hagel kurz vor der Obst- oder Maisernte, Starkregen, der zur Erosion von wertvollem Boden und zur Unbefahrbarkeit der Äcker führen kann. Die Klimaveränderungen könnten auch zu einem stärkeren Befall mit Pilzen und Schädlingen führen. Selbst Tierhalter spüren den Klimawandel, betonte Schwarz. „Unsere Nutztiere erleiden plötzlich Tierkrankheiten, die wir früher nur aus südeuropäischen Regionen kannten. Dazu gehören die Blauzungenkrankheit und das Schmallenbergvirus.“ Als Konsequenz forderte er ein Bündel an fachlichen und politischen Maßnahmen. „Mais und Zuckerrüben versprechen bei einer zunehmend guten Wasserversorgung in den Sommermonaten bessere Erträge“. Pflanzen wie Hirse oder Soja könnten mit entsprechenden Züchtungsfortschritten stärker angebaut werden. Pfluglose Bodenbearbeitungsverfahren und der Anbau von Zwischenfrüchten würden außerdem dazu beitragen, der Erosion vorzubeugen und den Wasserhaushalt positiv zu beeinflussen. Wo die natürlichen Voraussetzungen für eine Bewässerung gegeben seien, werde die Bewässerung wichtiger. In den Bundesländern sollen nach dem Willen des Bauernverbands-Präsidenten weiterhin Versuche zur Sortenauswahl durchgeführt werden. Die politisch Verantwortlichen sollen die dafür erforderlichen Finanzen bereitstellen.

Soweit Auszüge aus der Presseerklärung. Bemerkenswert ist die Hinwendung der Landwirtschaft zu einer schonenderen Bodenbearbeitung und dem Anbau von Zwischenfrüchten. So wie es aussieht hatte hier die biologische Landwirtschaft eine Vorreiterposition, denn schonende Bodenbearbeitung und der Anbau von Zwischenfrüchten gehört ja schon lange zu ihren Prinzipien. Enttäuschend bleibt, dass der Bauernpräsident zwar über notwendige Anpassungsmaßnahmen spricht, aber nicht über den Beitrag der Landwirtschaft zur globalen Erwärmung, vor allem aufgrund der Tierhaltung. Nun ja, Schwarz ist eben Interessenvertreter der konventionellen Landwirte.

Die Anfangs erwähnte Erwärmung um durchschnittlich fünf Grad, bezogen auf das Ende des Aprils, ist schon erschreckend, da wir erst am Anfang des Klimawandels stehen. Deutschland erlebte in den letzten Jahren viele trockene Sommer, mit ausgetrockneten Flüssen und niedrigsten Wasserständen. Wir wissen außerdem, dass überall auf der Welt die Grundwasserspiegel sinken, teilweise aufgrund der Versiegelung von Flächen für Straßenbau und Urbanisierung, teilweise durch Übernutzung der Grundwasserleiter für Bewässerung. Wenn die deutsche Landwirtschaft zukünftig stärker auf Bewässerung setzen muss, brauchen wir deshalb nicht nur sparsamste Methoden dafür, sondern eine Veränderung der Produktionsweise die weit über die von Schwarz genannten Maßnahmen hinausgeht. Dazu gehört auch der Abschied von der Massentierhaltung weil:

  1. der Wasserbedarf der Tierhaltung sehr groß ist und das knappe Nass dringender zur Erzeugung von Kartoffeln und Getreide - für die menschliche Ernährung - benötigt wird,
  2. diese einen exorbitanten Beitrag zum Treibhauseffekt erzeugt.

Maisanbau muss ebenfalls kritisch gesehen werden, da er vergleichsweise stark zum Treibhauseffekt und zur Verringerung der Artenvielfalt beiträgt.

Fazit: Die Bereitstellung von Klimadaten durch den Deutschen Wetterdienst ist wichtig, mehr noch, sie ist notwendig. Es bleibt aber der fade Nachgeschmack, dass sich hier ein bäuerlicher Interessenverband nur insofern an den Klimawandel anpassen will, wie es im wirtschaftlichen Interesse seiner Mitglieder ist. Die Prognosen des Wetterdienstes DWD dienen hier also zur Unterstützung einer Klientelpolitik des Bauernverbandes, bei gleichzeitig unzureichender Kontrolle der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Eigentlich kann man da nur sagen: "DWD bleib beim Wetter und lass dich nicht für Interessenpolitik einspannen." Denn wenn sich der Trend der Klimaerwärmung weiter fortsetzt, weil die Landwirtschaft auf der Erde weiterhin so stark zum Treibhauseffekt beiträgt, dann wird sich auch der Erwärmungstrend über das Jahr 2100 hinaus fortsetzen, Herr Becker.