Das Orchester „Lebenslaute“ blockierte gestern, mit einem klassischen Konzert, zwei Stunden lang den Braunkohletagebau von RWE bei Buir/Kerpen. „O Täler weit, o Höhen, o schöner Grüner Wald“ mit diesem romantischen Lied von Mendelssohn-Bartholdy stoppten die Musikerinnen und Musiker des Aktionsorchesters „Lebenslaute“ den Betrieb des Kohleabbaus.

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(Foto: Gemeinfrei)

Zusammen mit den Aktivistinnen und Aktivisten, die seit April diesen Jahres den Wald im Hambacher Forst besetzen, hatten sie sich auf den Weg zur Abrisskante gemacht. Dort bauten sie - zunächst unbehelligt - ihren „Konzertsaal“ unmittelbar vor dem knapp 100 m hohen Schaufelradbagger auf. Der Bagger musste daraufhin seine Arbeit einstellen.

Nach kurzer Zeit trafen mehrere Polizeikräfte ein, die jedoch von einer Räumung absahen und das Konzert bis zu seinem Ende anhörten. „Es war ein großer Erfolg, die Arbeiten so lang aufzuhalten, weil die Braunkohle eine der klimaschädlichsten Energiequellen ist. Die Weiterförderung von Braunkohle verhindert den effektiven Ausbau von erneuerbaren Energien.“ argumentiert die Berliner Flötistin Ulrike Müller.

Das bundesweite Aktionsorchester „Lebenslaute“ verbindet klassische Musik mit zivilem Ungehorsam und bringt seine politischen Überzeugungen durch Konzerte an ungewöhnlichen Orten zum Ausdruck. Im Braunkohletagebau brachte es unter anderem Werke von Georg Philipp Telemann, Heinrich Schütz und Jose Fernandez zu Gehör. „Der wunderschöne Chorsatz aus den Tageszeiten von Telemann besingt die aufgehende Sonne – und erinnert uns daran, woher unsere Energie der Zukunft kommen sollte.“ erklärt Basssänger Berthold Keunecke aus Herford.

Die Aktion ist Teil der 180 -Tage Kampagne, mit der die Waldbesetzergruppe den Energiekonzern an den Rodungsarbeiten im Hambacher Forst verhindern will. Die Aktionsgruppe „Lebenslaute“ begründet ihre Unterstützung für die Waldbesetzung mit ihrer Kritik an den RWE als größtem CO2-Emittenten Europas: „Für Kohlestrom heutzutage noch Bäume zu fällen und ganze Dörfer umzusiedeln ist einfach nicht zukunftsfähig.“ meint Geigerin Larissa Gulitz aus Berlin. “Die Energiekonzerne und Energieverbraucherinnen müssen endlich die Konsequenzen daraus ziehen.“

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