Letzte Woche wurde im Europäischen Parlament in Brüssel der "World Nuclear Industry Status Report 2013“ (WNISR) vorgestellt. Der Bericht gibt einen umfassenden Überblick über die internationalen Entwicklungen im Bereich der Atomenergie. Aufsehen erregte ja kürzlich US-Präsident Obama mit seiner Klimaschutzinitiative, die auch auf die Förderung der Atomenergie setzt. NASA-Klimawissenschaftler James Hansen fordert ebenfalls neue Nuklearkraftwerke.1) Gut zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima wird diese Technik also wieder salonfähig.

Der WNISR 2013 liefert nun sowohl aktuelle Informationen, über die nach wie vor bedrohliche Sicherheitslage im havarierten Atomkomplex Fukushima, als auch Informationen über das globale Ausmaß der Energieerzeugung aus Atomspaltung und den Kosten dafür. Während einer Pressekonferenz in Brüssel erklärte Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: "Die Mär von einer globalen Renaissance der Atomenergie hält den Tatsachen nicht stand. Während die erneuerbaren Energien weltweit einen Aufschwung erleben, sinkt die Stromproduktion aus Atomkraftwerken."

Im letzten Jahr wurde in Deutschland, China, Japan und Indien zum ersten Mal mehr Strom aus regenerativen Energiequellen als Atomstrom erzeugt, so Fücks und weiter: "Der Anteil der Atomkraft am Primärenergieverbrauch sinkt kontinuierlich, während zugleich die Kosten für neue Atomkraftwerke durch die Decke gehen." Atomenergie sei weder sicher noch wirtschaftlich. Das zeige sich auch am Absturz der Aktienwerte der französischen Atomriesen EDF und Areva, die seit 2008 um mehr als 80 Prozent gesunken sind. Deshalb sei der Ausstieg aus der Atomkraft eine richtige Entscheidung. Er schaffe Planungssicherheit für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Diesen gehöre die Zukunft. Soweit Ralf Fücks.

Somit werden sich wohl Obamas und Hansens Träume, die Renaissance der Atomenergie betreffend, in Luft auflösen. Selbst wenn man die Gefahren ignoriert: AKW-Bau ist zu langsam und zu teuer.

Der World Nuclear Industry Status Report 2013 wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung finanziell unterstützt.
Interessant ist auch dieses Interview der Deutschen Welle mit dem Herausgeber der Reports Mycle Schneider.

1) "Hansen folgert falsch"