Die gestern ausgestrahlte ZDF-Sendung "Dämmwahn oder Klimarettung" sorgt erwartungsgemäß für Gesprächsstoff. Doch anders als frühere Berichterstattungen, in denen nur Horrorszenarien als Folge von insbesondere Wärmedämmverbundsystemen auf den TV-Bildschirm gemalt wurden, beschränkt sich das ZDF diesmal auf eine nüchterne Polemik mit sachlichem Tenor.


Nachkriegsbauten, in Hamburg-Hamm, werden zu Passivhäusern saniert (Foto: Udo Schuldt)

Obwohl die Sendung "Dämmwahn oder Klimarettung" mit den typischen Negativerscheinungen des deutschen Dämmungstrends wie der Algenbildung an wärmegedämmten Fassaden, den Kosten der Beseitigung von Spechtlöchern oder der unterschiedlichen Beratungsqualität von Energieberatungen nahezu alle bekannten Klischees der bautechnischen Wärmewende abdeckt, so trifft sie im Kern doch den richtigen Tenor: Immer mehr Dämmung führt nicht zu immer mehr Energieersparnis. In Fällen in denen Dämmstoffdicken von über 10 cm auf bereits "dicke" Außenwände aufgetragen werden, ist die rechnerisch ermittelte Heizkostenersparnis in der Realität häufig nicht mehr nachvollziehbar.

Bei aller Polemik, die die gestrige ZDF-Sendung "Dämmwahn oder Klimarettung" ins Feld führt, muss ihr und dem verantwortlichen Redakteur Stefan Hanf durchaus zugestanden werden, dass dieser leider viel zu kurz gekommene Tenor richtig ist: Im Zuge der Sanierung von Altgebäuden sollte auch eine individuelle, energetische Sanierung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten insbesondere entsprechend der Kosten der Außendämmung erfolgen. Grundlage muss dabei selbstverständlich eine genaue Analyse der gröbsten Wärmelecks und Wärmebrücken sowie der Heizung und des Heizungssystems sein. Darauf aufbauend sollten die Kosten geschätzt werden, die zur Beseitigung dieser energetischen Schwachstellen nötig werden und der jeweiligen Heizkostenersparnis gegenübergestellt werden. Dann sollte die Reihenfolge der vorzunehmenden energetischen Sanierungsmaßnahmen nach der jeweiligen Höhe der Grenzerträge gedeckelt vom Budget des Hausbesitzers erfolgen.

Leider geht diese in der Branche bereits etablierte Erkenntnis in einem Wust an neckischen Kommentaren und alt hergebrachten "die wollen uns nur ans Portemonnaie"-Statements unter. So wäre es überflüssig, Energieberater bloß zu stellen, die für 100 Euro zu einem Hausbesuch gebeten werden und dort zwei Stunden über die Möglichkeiten einer energetischen Sanierung referieren. Zudem wäre auch die Anmietung eines abrissreifen Neubaus, die Konsultation von Frau Minna Sunikka-Blank der University of Cambridge sowie die Kalle Blomquist-Manier des Plots nicht zwingend notwendig, um die Botschaft der Sendung rüberzubringen.

Zum Glück kriegt die Sendung in den letzten Minuten noch den Bogen: Wärmedämmung und moderne Haustechnik sind notwendig. Ihre Förderung und ihre Umsetzung müssen sich jedoch stärker an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren.