Pflanzen lieben Wärme. Weil die in Gewächshäusern teuer ist, setzt die niederländische Unterglasbranche auf die Geothermie und beheizt mit natürlichen Ressourcen gigantische Gewächshäuser. Das spart riesige Mengen an CO2 ein. Deutschland ist hingegen noch im Versuchsstadium, obwohl es genügend Anwendungen gäbe, in denen die Geothermie günstige und klimafreundliche Wärme liefern könnte.


Die Kraft der Geothermie zeigt sich auch hier in Chile. Bei einer Bohrung kam es zu diesem künstlichen Dampfaustritt (Foto: Gerard Prins; Originaltitel: 60m artificial fumarole at el tatio geothermal field; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Kohlendioxidemissionen sinken um 90 Prozent

Auf einer Fläche von 32 Hektar züchtet die niederländische Firma Wijnen Square Crops nahe der deutschen Grenze bei Venlo unter anderem Paprika. In den riesigen Gewächshäusern wird daher ganzjährig eine Temperatur von durchschnittlich 22 Grad Celsius nötig. Das entsprach im Schnitt einem Erdgasbedarf von 35 Kubikmetern Erdgas pro Quadratmeter, die in einem Blockheizkraftwerk mit einer Nennleistung von stolzen 20,6 Megawatt verfeuert wurden. Weil die Margen für Paprika schwanken und gleichzeitig die Gaskosten steigen, entschied sich Square Crops für die Tiefengeothermie, die seit Anfang 2013 nun Wärme liefert. So soll der Verbrauch von Erdgas um mindestens 80 Prozent und die Kohlendioxidemissionen um 90 Prozent reduziert werden. Das entspricht umgerechnet einer Einsparung von 17 Millionen Kubikmeter Erdgas und 30.000 Tonnen CO2.

Wärme kommt aus knapp 2000 Metern Tiefe

Für die geothermische Wärmeversorgung der Gewächshäuser werden nun etwa acht Kubikmeter heißes Thermalwasser pro Hektar und Stunde notwendig. Das notwendige Thermalwasser wird dazu aus knapp 2000 Metern Tiefe aus zwei Bohrlöchern mit rund 80 Grad Celsius nach oben gepumpt und an einen Wärmetauscher geführt. In diesem befindet sich wiederum ein Medium, das schon bei sehr geringen Temperaturen seinen Siedepunkt erreicht und so die notwendige thermische Energie bereitstellt. Danach wird das abgekühlte Wasser durch eine dritte Bohrung wieder in die unterirdische Thermalwasserquelle geleitet. Bei diesem Prozess fördern die Pumpen knapp 250 Kubikmeter heißes Wasser die Stunde. Dieser geothermische Kreislauf hat knapp zehn Millionen Euro gekostet und wird sich laut Square Crops in spätestens 15 Jahren amortisieren.

Deutschland ist immer noch im Versuchsstadium

Square Crops sind dabei nicht die einzigen Gewächshausbetreiber, die auf Erdwärme setzen. Rund um Venlo gibt es bereits sieben Gartenbaubetriebe, die so ihren Wärmebedarf decken. In Deutschland laufen hingegen nur kleinere Forschungsprojekte wie das 78 Quadratmeter große "energieautarke Gewächshaus" auf einem Demeterhof bei Lörrach. Zur Wärmeversorgung werden Erdwärmesonden mit einer Wärmepumpe, ein unterirdischer Wärmespeicher und spezielle Kunststofflinsen auf dem Dach eingesetzt, die die Sonnenstrahlen auf Leitungen lenken und das darin fließende Wasser erhitzen. Die Kunststofflinsen werden dabei über Motoren der Sonne nachgeführt. Ob sich die Geothermie in Deutschland durchsetzen wird, ist fraglich. Immer noch mangelt es an risikoadäquaten Fördermodellen. Dabei wäre die Geothermie gerade für die Grundlastwärmedeckung in urbanen Nah- und Fernwärmenetzen eine verheißungsvolle Alternative. Denn hier können andere Erneuerbare nur schwer eingesetzt werden.