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Professor Dr. Rainer Hirn von der FHWS zeigt auf, dass energetische Sanierung von Altbauten wirklich funktioniert

Am 1. Mai 2014 ist die Energie-Einspar-Verordnung 2014 in Kraft getreten: Neubauten sollen mit weniger Energie auskommen. Für bestehende Gebäude müssen bei Verkauf oder Vermietung künftig Angaben über die Art des Energieausweises gemacht werden. Ob Bedarfs- oder Verbrauchsausweis, über den entsprechenden Kennwert des Endenergiebedarfs und den Energieverbrauchskennwert, sowie das Baujahr. Es sind außerdem Angaben zur Befeuerungsart zu machen. Es geht aber weit besser als es das Gesetz vorschreibt!

Das fertige Plusenergiehaus
Das fertiggestellte Plus-Energiehaus (Foto: © FHWS / Hirn)

Denn dieses neue Gesetz war nicht der Anreiz für Professor Dr. Rainer Hirn von der Fakultät Elektrotechnik an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt: Seine Frau Margret Simmelbauer übernahm vor sechs Jahren von ihrer Oma ein älteres Haus in Veitshöchheim. Im Zuge der nötigen Renovierung hatten sie sich für eine umfassende energetische Sanierung entschieden.

Der Einsatz von „Mensch und Material“ zahlte sich gleich mehrfach aus: Zum einen gewann die fünfköpfige Familie den Preis für den klimafreundlichsten Haushalt 2013 Veitshöchheims, welchen der Bürgermeister Rainer Kinzkofer und der Klimaschutzmanager Jochen Spieß mit 1.000 Euro ausgelobt hatten (und den das Ehepaar gleich für ein nachhaltiges Projekt spendete).

Zum anderen hatten sie es geschafft, dass dreißig Jahre alte Gebäude mit 230 Quadratmetern Wohnfläche in ein funktionierendes Plus-Energie-Haus zu verwandeln. Familie Hirn / Simmelbauer plante dazu ihre Sanierung mit dem Passivhaus-Projektierungs-Paket des Passivhaus Instituts der TU Darmstadt ( www.passiv.de ). Mit großem Einsatz und viel Eigenleistung wurde das Haus mit dickem Vollwärmeschutz, einer Wärmepumpe, einer 72 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage, einer Solarthermieanlage, Fenster mit Dreifachverglasung und einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet.

Haus vor der Renovierung
Das historische Gebäude in seinem Zustand von vor sechs Jahren (Foto: © FHWS / Hirn)

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Direktverdampfer Erdreich-Wärmepumpe erreichte z.B. eine Jahresarbeitszahl von 4.4, d.h. aus einer Kilowattstunde Strom erzeugte sie 4.4 Kilowattstunden Heizwärme. In den vergangenen zwölf Monaten benötigte das fertige Haus jetzt nur noch 185 Euro Strom für die Heizung und fast schon vernachlässigbare 35 Euro Strom für die gesamte Warmwasserbereitung der fünfköpfigen Familie.

Im letzten Jahr wurde durch die Photovoltaikanlage des Gebäudes, das nun keinen Gasanschluss mehr besitzt, nach Abzug des Eigenverbrauchs ein Stromüberschuss von 8000 Kilowattstunden in das Verbundnetz eingespeist. Im Gegenzug mussten aus dem Netz im gleichen Zeitraum nur noch 2500 Kilowattsunden Strom bezogen werden. Insgesamt ein sehr deutlicher Überschuss – das Haus verdiente tatsächlich sein eigenes Geld. Mit diesem Überschuss, der einer Energie von etwa 800 Liter Benzin entspricht, wird wohl in nicht zu ferner Zukunft das familieneigene Elektrofahrzeug betrieben werden.

Als weiteren schönen Nebeneffekt sieht Hirn, dass seine drei Kinder mit dem Energiespargedanken aufwachsen und schon wissen, wieviel Strom z.B. ihre X-Box Spielkonsole benötigt oder wann man am umweltverträglichsten das geliebte Vollbad einlaufen lassen kann.

Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt