Tropenwälder verschwinden in alarmierendem Tempo durch Abholzung. Aber sie haben auch das Potenzial, auf verlassenen Flächen natürlich nachzuwachsen. Eine Studie, die diese Woche in Science veröffentlicht wurde, zeigt, dass sich nachwachsende Tropenwälder erstaunlich schnell erholen. Nach 20 Jahren haben sie im Durchschnitt fast 80 % der für Primärwälder charakteristischen Merkmale wiedererlangt. Die von der Universität Wageningen mit Unterstützung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass natürliche Regeneration eine kostengünstige Lösung für den Klimaschutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt darstellt.

Sekundaerwald Costa Rica
Relativ junger Sekundärwald in Costa Rica mit ähnlich großen, schlanken Stämmen und entsprechend geringer Strukturvielfalt (Foto © Robin Chazdon)

Das internationale Team von Tropenökologinnen und –ökologen untersuchte anhand von 77 Landschaften und mehr als 2.200 Waldparzellen im tropischen Amerika und Westafrika, wie sich zwölf Waldeigenschaften während des natürlichen Prozesses der Waldregeneration/sukzession erholen und wie ihre Erholung miteinander zusammenhängt.

Erstautor Prof. Lourens Poorter von der Universität Wageningen sagt: „Es ist zwar wichtig, alte Wälder aktiv zu schützen und die weitere Abholzung zu stoppen. Aber tropische Wälder haben das Potenzial, in bereits abgeholzten Gebieten auf aufgegebenem Land auf natürliche Weise nachzuwachsen. Diese nachwachsenden Wälder bedecken riesige Flächen und können zu den lokalen und globalen Zielen für die Renaturierung von Ökosystemen beitragen. Sie sind von unschätzbarem Wert für den Klimaschutz, die Anpassung an den Klimawandel, die Erhaltung der biologischen Vielfalt und erbringen viele andere Leistungen für die Menschen vor Ort, wie z. B. Wasser, Brennstoff, Holz und Nichtholzprodukte aus dem Wald.“

Die Forschenden fanden heraus, dass sich diese Sekundärwälder erstaunlich schnell erholen, was darauf hindeutet, dass die Regeneration natürlicher Tropenwälder kurzfristig große Vorteile bringen kann. Allerdings unterscheidet sich die Geschwindigkeit der Erholung je nach Waldeigenschaft stark: Die Erholung auf 90 % der Werte alter Wälder verläuft am schnellsten bei der Bodenfruchtbarkeit (unter 10 Jahre) und bei den funktionellen Merkmalen der Baumarten wie etwa die Holzdichte und Stickstoffbindung (unter 25 Jahre), mittelschnell bei Struktur und Artenvielfalt (25-60 Jahre) und am langsamsten bei der oberirdischen Biomasse und der Artenzusammensetzung (über 120 Jahre).

Erholung tropischer Waelder
Erholung der tropischen Wälder auf aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen im Laufe der Zeit (Zum Vergrößern auf das Bild klicken, Foto © Erik Flokstra, Pixels&inkt)

Mitautor Dr. Dylan Craven, ehemaliger Forscher am iDiv und am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der jetzt an der Universidad Mayor in Chile tätig ist, sagt:

„Wir haben untersucht, wie die Erholung der verschiedenen Waldeigenschaften miteinander zusammenhängt. Es zeigte sich, dass die maximale Baumgröße, die Heterogenität der Waldstruktur und die Anzahl an Baumarten robuste Indikatoren für die Erholung mehrerer Waldeigenschaften sind. Diese drei Indikatoren sind relativ leicht zu messen und können zur Überwachung der Waldregeneration verwendet werden. Mit Hilfe der Fernerkundung lassen sich Baumgrößen und Waldstruktur bereits jetzt über große Flächen und Zeiträume hinweg überwachen.“

Sekundärwälder sind Wälder, die auf natürliche Weise nachwachsen, nachdem die ursprünglichen Wälder fast vollständig abgeholzt wurden – in der Regel für Wanderfeldbau, konventionellen Ackerbau oder Viehzucht. Im tropischen Lateinamerika bedecken Sekundärwälder bis zu 28 % der Landfläche.

„Angesichts der lokalen und globalen Bedeutung der Sekundärwälder und ihrer raschen Erholung nach 20 Jahren befürworten wir die (unterstützte) natürliche Regeneration als kostengünstige, naturbasierte Lösung um die Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs), der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen (2020-2030), des UN-Klimaabkommens und des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zu erreichen.“, sagt Mitautorin Dr. Nadja Rüger von iDiv und der Universität Leipzig.

Dr. Bruno Hérault, vom CIRAD/Elfenbeinküste und ebenfalls Mitautor der Studie , fügt hinzu: „Es gibt jedoch kein Patentrezept für die Renaturierung, und es kann eine Mischung aus natürlicher und aktiver Renaturierung erforderlich sein. Es gibt ein ganzes Spektrum von Lösungen, von natürlicher Regeneration, unterstützter natürlicher Regeneration, Agroforstwirtschaft bis hin zu Plantagen. Die optimale Lösung hängt von den örtlichen Standortbedingungen, den Menschen vor Ort und ihren Bedürfnissen ab. Mit einer solchen Mischung von Ansätzen können wir natürlichere, artenreichere und widerstandsfähigere Landschaften schaffen.“

Die Studie wurde unter anderem durch den European Research Council Advanced Grant PANTROP und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; FZT-118) finanziert. Sie ist ein Produkt der sDiv-Arbeitsgruppe sUCCESS. Das iDiv-Synthesezentrum sDiv unterstützt Arbeitsgruppentreffen, bei denen Forschende aus der ganzen Welt gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten.

Originalpublikation:

Lourens Poorter, et al. (2021): Multi-dimensional tropical forest recovery, Science, DOI: https://www.science.org/doi/10.1126/science.abh3629

Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

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