Kommentar zum Zeitungsartikel "Auch die Anpassung an einen Klimawandel ist wichtig" - Die Welt - 13. Mai 2014 - von Ulli Kulke:

Sehr geehrter Herr Kulke, unstrittig ist auf global wissenschaftlicher und politischer Ebene die unbedingte und zügige Anpassung in allen Bereichen in Angesicht eines beschleunigenden Klimawandels. Unstrittig ist auch, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft alles daran setzen müssen, die globale Erwärmung möglichst niedrig zu halten, gar vollends zu stoppen. Diese Notwendigkeit sehen Sie wohl etwas anders. Und hier muss ich Sie daran erinnern, dass - im Unterschied zu geologischen Prozessen auf unserem Planeten und Veränderungen unseres Zentralgestirns in der erdgeschichtlichen Vergangenheit - der gegenwärtige Klimawandel einen anderen Motor hat, den es in dieser Weise und Geschwindigkeit noch nie gegeben hat:Treibhausgas-Emissionen!


(© Marcel Rolf Hoffmann)

Der Faktor Mensch und seine Industrialisierung führen in kürzester Zeit (3-4 Generationen) zu einem vollständig anderen Erdklima. Es ist sicher unter größten Anstrengungen möglich, dass sich in Zukunft 9-10 Milliarden Menschen hieran sinnvoll und strategisch anpassen. Aber damit ist es nicht getan. Der Mensch ist abhängig von seinen Trinkwasser- und Nahrungsquellen sowie von einer nachhaltigen und global erschwinglichen und nutzbaren Energiequelle.

  1. Unsere Tier- und Pflanzenwelt wird (wie zuvor in der Erdgeschichte) auf schockartige und zu schnell voranschreitende klimatische Veränderungen nicht schnell genug reagieren können. Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Konzeptionen und Masterpläne können Sie ändern und regional auf klimatische Änderungen anpassen. Aber eigenständig wird sich der mitteleuropäische Wald beispielsweise nicht binnen von 100 Jahren in einen mediterranen Eichen- und Pinienwald verwandeln. Hinzu kommt die steigende Anzahl von Extremwetterereignissen. Dürren, Hitzewellen, Starkregen, Stürme und Flutungen haben massiven Einfluss, weltweit, auf die Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Ernteerträge. Dies können Sie nicht global steuern und sich daran auch nicht hinreichend anpassen. Ernteverluste führen schon jetzt zu Lebensmittelverteuerungen und Hungersnöte.
  2. Die Tierwelt ist nur bedingt in der Lage in kurzer Zeit (100-150 Jahre) sich an schnelle klimatische Veränderungen anzupassen. Insekten und Vögel (Nahrungskette) reagieren schon jetzt dramatisch zeitversetzt auf die globale Erwärmung. Dies bedroht die Nahrungsversorgung der Brut. Es gibt Hunderte von Beispielen weltweit, die durch das Durchtrennen der Nahrungskette zeigen, wie dramatisch die Geschwindigkeit des anthropogenen Klimawandels ist und am Ende der Fahnenstange die menschliche Zivilisation massiv gefährden.

Dies sind nur einige Gründe, warum auch Sie, Herr Kulke, eine schnelle 'Große Transformation' schätzen sollten und die Reduzierung, ja das Stoppen der menschgemachten globalen Erwärmung als wichtigstes Ziel und größte Aufgabe der Menschheit begreifen und anerkennen sollten. Die Geringschätzung dieser nötigen politischen und wirtschaftlichen, gesamtgesellschaftlichen Herausforderung auch noch in einem Massenmedium zu publizieren, DAS ist unverantwortlich und zeugt von größter journalistischer Unreife, Kurzsichtigkeit oder von Einflußnahme Dritter auf Ihre journalistische Arbeit. Überprüfen Sie ihre Ansichten, gehen Sie tiefer, zeigen Sie Verantwortung, lernen Sie die Wissenschaft schätzen und entdecken Sie die Notwendigkeit, in nie erlebten Dimensionen auch nie erlebte langfristige Prozesse mit zu tragen.

Mit freundlichen Grüßen
Marcel Rolf Hoffmann

 


Der Wirtschaftspädagoge und Volkswirt Ulli Kulke ist seit Jahren als Skeptiker der Klimawissenschaft bekannt und schreibt als Autor meist zu wissenschaftlichen Themen bei DIE WELT und WELT AM SONNTAG. Kulkes Artikel und Blogs zeichnen sich oft durch einseitiges Beleuchten der Klimawandelproblematik aus und diskreditieren meist zu Unrecht die Klimawissenschaft, indem er Fakten unterschlägt oder fragliche Zusammenhänge geschickt montiert oder tatsächliche Korrelationen ausblendet. Einen Querschnitt seiner klimaskeptischen Artikel können Sie auf seinem Blog 'Donner und Doria' bei welt.de einsehen.